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5.0 out of 5 stars
Viel mehr als nur eine Robinsonade,
This review is from: Die Wand Roman (Paperback)
Eine Frau wacht eines Morgens in einer abgelegenen Jagdhütte auf und stellt fest, dass sie von der übrigen Welt durch eine unsichtbare Wand getrennt ist; außerhalb des Areals, das diese Wand begrenzt, gibt es offensichtlich kein Leben mehr. Außer der Frau, deren rückblickende Aufzeichnungen wir nun lesen, scheint es innerhalb dieser "Insel" niemanden mehr zu geben (die Größe des ihr zugewiesenen Areals kann sie aber nicht bestimmen, sondern muss sich außerhalb ihres Wirkungskreises auf Vermutungen verlassen); mit einem Jagdhund, einer Katze und einer zugelaufenen Kuh muss sie sich nun aufs Überleben einrichten.Was zunächst wie eine moderne Robinsonade klingt und Sujets der Weltliteratur von der Arche Noah über Utopia und Robinson bis zur modernen Science Fiction aufgreift, lässt sich keineswegs ohne weiteres in eines der bekannten Genres einordnen, und gerade das macht seine Stärke aus. Die Aufzeichnungen der namenlosen Frau (Namen haben im folgenden nur die Kuh, der Hund und zwei junge Katzen - "man (resp. woman) gave names to all the animals") berichten nämlich nicht nur von den kleinen Ereignissen in dieser "Neuen Welt", in der plötzlich alles aufs unmittelbare Überleben ausgerichtet sein muss, sie reflektieren auch ihr bisheriges Leben. Man merkt, es geht hier nicht nur darum, dass die Protagonistin nun, auf sich allein gestellt, irgendwie zurechtkommen muss, sondern es geht auch wortwörtlich um den Rückzug des Einzelnen aus der Welt. Damit nicht genug: In die einfache, nüchterne Sprache, die sich am Überlebenskampf orientiert und in der die Dinge wieder bei ihren Namen genannt werden (auch dieses biblische Motiv eine Anleihe an die Paradiesgeschichte!), mischt sich von Anfang an eine namenlose und dadurch nicht näher fassbare Bedrohung des "Zwangs-Paradieses" von innen heraus; eine düstere Spannung bildet den Hintergrund für diesen Bericht vom existentiellen Leben. Der Bericht ist, wie gesagt, aus der Rückschau geschrieben; seine Verfasserin deutet also immer wieder an, dass die diffus erahnte Katastrophe tatsächlich eintreten wird - doch auch danach wird das Leben in dieser "Insel" weitergehen, nun aber jenseits des Niedergeschriebenen und im Bewusstsein jederzeit möglicher konkreter Bedrohung. Man kann dieses Buch auf viele verschiedene Arten und unter vielen Blickwinkeln lesen, auch das macht seinen Reiz aus: Man kann sich auf die bewusste Eingrenzung der Frau auf ihre eigenen Möglichkeiten, als Reaktion auf die aufgezwungene Ausgrenzung, konzentrieren, als weibliche Gegenutopie, die nicht nur von "außen", sondern auch immanent von (männlicher) Gewalt bedroht ist. Man kann den Bericht auch als eine Reflexion über Wesentliches auffassen, in dem Isolation von der Außenwelt nicht zu Eskapismus oder Wirklichkeitsferne führt; als Kulturkritik, in der das als "normal" Betrachtete in Frage gestellt wird; als Science Fiction; als Reflexion des Themenkomplexes "Paradies und Sündenfall"; als Parabel über die prinzipielle Isolation des Menschen (jeder andere Mensch ist ein potentieller Todfeind!) oder als Anti-Robinsonade... Wie auch immer, dieses phantastisch geschriebene Buch wird jeden Leser lange in Atem halten: während der Lektüre und auch noch lange danach. |
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Die Wand. (German Edition) by Marlen Haushofer (Paperback - March 1, 1999)
Used & New from: $9.94
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